Vom 21. bis zum 30. September 2001
im Filmtheater Residenz,
Tel.: 0049-221-13 48 21
Kaiser-Wilhelm-Ring 30 ![]()
Das Filmfestival findet statt. Gerade heute, angesichts der uns alle bestürzenden Realität von Gewalt und Intoleranz, wollen die Veranstalter des Festivals ihren Beitrag dazu leisten, den Dialog zwischen den Kulturen zu fördern. Bei den verschiedenen Diskussionsforen im Rahmen ihrerVeranstaltungen steht auch der Austausch über die Möglichkeiten von Kunst und Kultur zur Einflussnahme auf die gesellschaftliche und politische Entwicklung im Mittelmeerraum auf dem Programm.
Am 21.September wird das zweite Kölner Mittelmeer-Filmfestival im Kino Residenz am Kaiser-Wilhelm Ring eröffnet. Bei der Eröffnung werden neben vielen bekannten Gesichtern des mediterranen Filmschaffens auch wichtige Persönlichkeiten des hiesigen Kulturlebens vertreten sein.
Der Festivalpräsident Taieb Louhichi wird an diesem Abend seinen zweiten Besuch des Mittelmeer-Filmfestivals nach 1999 mit einer Eröffnungsrede krönen. War der bekannte tunesische Regisseur beim letzten Mal noch "normaler" Festivalgast, so fand er sich in diesem Jahr bereit, die Präsidentschaft zu übernehmen, nachdem Hans W. Geißendörfer leider seinen terminlich bedingten Rückzug erklären musste. Taieb Louhichi hat 1999 das Mittelmeer-Filmfestival und seine Atmosphäre schätzen gelernt und das Festival über die vergangenen zwei Jahre gerne und interessiert begleitet. So ist es ihm eine große Freude, als Präsident des diesjährigen Festivals zu fungieren. Mit seinem großen Wissen und Erfahrungsschatz über das mediterrane Filmschaffen ist er ein würdiger Nachfolger für Mahmut Tali Öngören, den leider viel zu früh verstorbenen Festivalpräsidenten 1999.
Die Landtagsvizepräsidentin Edith Müller wird im Anschluß an den Festivalpräsidenten bei der Eröffnungsveranstaltung sprechen. Der Kuratoriumsvorsitzende Cafer Cebe wird bei der Eröffnung die Referenz des Kuratoriums überbringen und für die Festivalleitung wird Rolfjörg Hoffmann sprechen. In Vertretung von Oberbürgermeister Fritz Schramma wird Bürgermeister Jupp Müller das Festivalpublikum im Namen der Stadt Köln begrüßen. Der Kulturminister und stellvertretende Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen Dr. Michael Vesper hat die Schirmherrschaft übernommen, ist aber zur Eröffnung leider verhindert.
Eröffnungsfilm
Im Anschluss an die kurzen Ansprachen wird das Mittelmeer-Filmfestival Köln 2001 mit dem türkischen Spielfilm "Vizontele" filmisch eröffnet. "Vizontele" erzählt von der Einführung des neuen Mediums Fernsehen. Regie und Hauptrolle übernahm der bekannte türkische Schauspieler und Kabarettist Y?lmaz Erdo? an. Der Film war über Wochen der Kassenschlager in der Türkei und wird auch hier ein breites Publikum finden. Thematisch eng verbunden mit dem Medium Film, dem Kino und seinem härtesten Konkurrenten Fernsehen erzählt der Eröffnungsfilm auf hintergründig ironisierende Weise von den Visionen und Illusionen, die Menschen mit der Einführung des Fernsehens verbunden haben. Dabei wird ein pittoreskes Panorama des gar nicht so idyllischen Landlebens Mitte der siebziger Jahre gezeichnet und erinnert an die Veränderungen, die ein neues Medium bei den Menschen bewirkt.
Anläßlich der Eröffnung des Mittelmeer-Filmfestivals wird der Produzent von Vizontele, Necati Akp?nar, über den Film und seine Entstehungsgeschichte berichten.
23 aktuelle Spielfilme aus 16 mediterranen Ländern werden sich dem diesjährigen Wettbewerb stellen. Zusammen mit dem filmischen Rahmenprogramm kommen rund fünfzig Beiträge ins Kino: so reichhaltig und verschiedenartig wie die Kulturen des Mittelmeerraums. Die Hälfte aller gezeigten Filme sind zumindest Deutschlandpremieren. Mit dem zypriotischen Beitrag kommt gar eine Weltpremiere in das Festivalkino.
Einige der Filme im Rahmenprogramm sind auch aus den vergangenen zehn Jahren. Ihre Aktualität haben sie dennoch nicht verloren und sollen zum Wiedersehen und -entdecken anregen. Aber auch für das filmische Rahmenprogramm konnten viele aktuelle Spielfilme, die in den jeweiligen Herkunftsländern großen Publikumserfolg verzeichneten, gebucht werden. Damit zeigt sich auch das große Interesse der Produzenten und Regisseure, ihre Filme dem deutschen Publikum vorzustellen.
Wettbewerb
Im Wettbewerb vertreten je 2 Filme die Länder Ägypten, Griechenland, Israel, Italien, Marokko, Spanien und die Türkei. Mit je einem Film sind Algerien, Frankreich, Jugoslawien, Kroatien, Libanon, Portugal, Tunesien und Zypern im Wettbewerb beteiligt. Filme, die in Deutschland (ko-) produziert wurden, sind im diesjährigen Wettbewerb zur Rarität geworden.
Die Festivalfilme zeichnen gesellschaftliche, politische und kulturelle Entwicklungen nach. Sie regen zur Nachdenklichkeit an, weil sie eine ungewohnte Sichtweise auf soziale und politische Gegebenheiten erlauben.
Wollte man die Wettbewerbsfilme und die Filme des Rahmenprogramms in Filmreihen unterteilen, so käme eine erkleckliche Anzahl zusammen: die Auseinandersetzung mit dem Erstarken des religiösen Fundamentalismus ist dabei leider genauso aktuell wie die Auseinandersetzung mit Krieg und der Verrohung der Menschen durch militärische Auseinandersetzungen. Wie Jugendliche in unterschiedlichen Kulturen den Übergang von der Kindheit in das Erwachsenwerden erleben ist ebenso Thema, wie die filmische Auseinandersetzung mit Wanderungsbewegungen und Migration. Die Situation von Frauen in männerdominierten Gesellschaften wird genauso beschrieben wie der Umgang mit Medien und Berühmtheit. Bei der Zusammenstellung des Festivalprogramms wurde vornehmlich darauf geachtet, ein Panaroma der mediterranen Kulturregionen zu bieten. Um der Heimatstadt des Mittelmeer-Filmfestivals einen Tribut zu zollen, wurden Filme aus und über die Kölner Partnerstädte des Mittelmeerraums zusammengestellt, die auf unterhaltsame Art vielfach einen Blick hinter die Kulissen zulassen.
Einige der Filme haben durch die Ereignisse der letzten Woche eine beklemmende Aktualität erhalten, setzen sie sich doch mit Fundamentalismus und Nationalismus auseinander.
Filmpreise
Die international besetzte Jury wird die Wettbewerbsbeiträge beurteilen und die Preisvergabe im Wert von insgesamt 47.000 DM bestimmen. Der Preis für die beste Darstellerin wird von der Geißendörfer Film- und Fernsehproduktion gestiftet.
Jurymitglieder
Antonio Cascais ist Journalist mit Schwerpunkt Kulturberichterstattung, er arbeitet für den WDR, die Deutsche Welle und Arte. Bertram Dhellemmes ist Filmkritiker und arbeitet für die französische Filmzeitschrift "Tausend Augen". Der Schauspieler Kostas Papanastasiou ist sicherlich durch seine Rolle als Tavernenwirt der Lindenstraße am bekanntesten geworden, hat aber in vielen Filmen z.B. bei Bernhard Wicki mitgewirkt. Der Filmkritiker Rolf-Rüdiger Hamacher ist Vorstandssprecher des Verbandes der Deutschen Filmkritik. Die Spanierin Marta del Riego Anta ist Redakteurin des Kulturteils der Zeitung El Pais. Der türkische Regisseur Reis Çelik ist ein langjähriger Begleiter des Festivals. Yvonne Ruocco kommt aus Paraguay, lebt und arbeitet seit vielen Jahren als Produzentin in Bremen.
Der Publikumspreis des Mittelmeer-Filmfestivals
Gemeinsam mit der Kinokulturzeitschrift choices lobt das Festival in diesem Jahr zum ersten Mal einen Publikumspreis aus. Der mit 3.000 DM dotierte Preis wird dem Film mit den meisten Stimmen der Publikumsabstimmung überreicht.
Interessante Gäste - Spannende Diskussionen mit dem Publikum
Ein tragendes Element des Mittelmeer-Filmfestival werden wieder die Regisseure/innen und Schauspieler/innen sein, die sich als Festivalgäste die Ehre geben und im direkten Dialog mit dem Publikum die Resonanz auf ihre Filme hautnah erleben können.
Viele große Regisseure/innen und Darsteller/innen, die das Filmschaffen ihrer Länder nachhaltig geprägt haben und als Botschafter für ihre mediterrane Kultur stehen, werden dem interessierten Publikum Rede und Antwort stehen. Wir freuen uns auf spannende Diskussionen und anregende Begegnungen.
Mit der tunesischen Regisseurin Moufida Tlatli, deren Film "Zeit der Männer, Zeit der Frauen? in der Wettbewerbssektion des Festivals am 23. September gezeigt wird, erwarten wir eine herausragende Persönlichkeit des arabischen Kinos. Sie hat sich in der männerdominierten Welt mit all ihren Widerständen gegen die Leistungen von Frauen durch ambitionierte Produktionen Anerkennung verschafft.
Die Hauptdarstellerin des Films "Fromme Lügen", die Grande Dame des israelischen Theaters Orna Porat, eine gebürtige Kölnerin, wird gemeinsam mit Regisseur Itzhak Rubin ebenfalls am 23. September anwesend sein.
Mit dem zypriotischen Film "And the Train Goes to the Sky? kann das Mittelmeer-Filmfestival mit einer Weltpremiere aufwarten. Der zypriotische Regisseur Yiannis Ioannou wird selbstverständlich zu diesem Ereignis anreisen.
Youssef Chahine, die ägyptische Regisseurlegende, ist fest entschlossen, trotz seines angeschlagenen Gesundheitszustandes nach Köln zu reisen. Zwei seiner Mitarbeiter frührer Filmproduktionen präsentieren mit ihren Beiträgen den von Chahine so nachhaltig geprägten Aufbruch des neuen ägyptischen Kinos, das sich (sozial-)kritisch mit dem Land auseinandersetzt.
Der voraussichtliche Publikumsmagnet Vizontele wird insgesamt dreimal zu sehen sein. Bei der dritten Aufführung am 26. September werden der Regisseur und Hauptdarsteller Y?lmaz Erdo?an, sein Mitregisseur Ömer Faruk Sorak, die Schauspieler Demet Akba? und Altan Erkekli sowie weitere Mitwirkende anwesend sein.
Die griechischen Produktionen der Wettbewerbssektion sind mit den Regisseuren Dimitris Athanitis ("2000 + 1 Augenblicke") und Vassilis Douros ("Schwindendes Licht") am 2. Festivalsamstag, dem 29. September, vertreten. Die griechisch-deutsche Schauspielerin Vicky Volioti ist auch in der deutschen Szene keine unbekannte Größe. Mit ihrem Geburtsort Bonn ist sie wie Orna Porat eine "Rheintochter".
Neben dem oben bereits genannten türkischen Regisseur Y?lmaz Erdo?an, wird Tunç Ba?aran seine Parodie auf die Medienwelt "Abuzer Kaday?f - Abuzer Baklava" präsentieren.
Weitere Gäste werden erwartet, deren Kommen aber noch nicht terminiert ist, wir bitten die aktuellen Informationen im Residenz Kino zu beachten.
Filmveranstaltungen Insgesamt wird sich an den zehn Festivaltagen in etwa 130 Einzelveranstaltungen ein buntschillerndes Kaleidoskop der mediterranen Kulturen auffächern, sich verändern und immer wieder neue Bilder und Eindrücke entstehen lassen. All dies wird die Zuschauer/innen vielleicht beeindrucken, hoffentlich erfreuen, mit neuen Einblicken und Ansichten aus der Erlebniswelt Mittelmeer-Filmfestival nach Hause gehen lassen. Und diejenigen, die Gespräche zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft, die ihre Heimat in Köln gefunden haben, genießen wollen, finden bestimmt eine Vielzahl von Gleichgesinnten.
Forum der Kulturen
Eine gelungene Plattform für den persönlichen Dialog und Informationsaustausch bietet das Forum der Kulturen am Donnerstag, 27. September. Mit der Musik dreier mediterraner Kulturkreise verbindet sich ein Bündel von Informationsmöglichkeiten. Die zahlreichen regionalen und überregionalen Kooperationspartner des Mittelmeer-Filmfestivals stellen sich und ihre Arbeit bei dieser Veranstaltung im Foyer vor. Der Informationsmarkt im Foyer wird durch Diskussionsrunden mit Gästen und Freund/inn/en des Festivals ergänzt.
Leider, leider:
Absagen Folgende Gäste hatten den Veranstaltern ihre feste Zusage gegeben für Diskussionen mit dem interessierten Publikum, mussten aber aus "dienstlichen" Gründen kurzfristig absagen:
Der Regisseur Kahled Youssef (Der Sturm) hat seine Zusage zurückgezogen, weil er endlich eine Drehgenehmigung für ein militärisches Sperrgebiet in der ägyptischen Wüste erhalten hat. Der spanische Schauspieler Miguel A. Sola (Ich weiß wer Du bist) hatte seinen Besuch in Köln längst geplant, die Dreharbeiten zu seinem neuen Film wurden aber vorverlegt, weshalb er absagen musste. Aus demselben Grund ist Türkan ?oray voraussichtlich verhindert. Sie will aber versuchen, eine Drehpause für eine Stippvisite zu nutzen. Ähnliches mussten wir auch von einem weiteren türkischen Gast erfahren. Auch Sava? Ay wird es vermutlich nicht zum Festival nach Köln schaffen. Schließlich erreichte uns jetzt die Nachricht, dass das Jurymitglied Civan Gürel aufgrund von Terminproblemen einen seiner Kollegen von der französischen Filmzeitschrift "Tausend Augen" gebeten hat, an seiner Stelle in der Jury mitzuwirken.
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